Gamification ist längst kein Buzzword mehr. Was einst als Spielerei im Marketing galt, findet heute zunehmend Anwendung in zentralen Bereichen der Unternehmenspraxis, insbesondere im Projektmanagement. Die Integration spieltypischer Elemente kann helfen, Engagement zu fördern, Prozesse effizienter zu gestalten und eine moderne Unternehmenskultur zu etablieren.
Was ist Gamification?
Ein klassisches Beispiel ist der Fitness Bereich. Du bist unsportlich aber willst etwas für deine Gesundheit tun? Kein Problem.
Das hier ist Tiffany.
Tiffany hat große Augen und hat Fell. Wir mögen Tiffany. Damit es Tiffany gut geht, musst du aber vom Sofa runter. Denn Tiffany wird mit gelaufenen Schritten gefüttert. Du läufst also nicht für dich. Du läufst, damit Tiffany nicht verhungert.
Ein weiteres Beispiel sind die Stickerhefte, die man in vielen Supermärkten kriegt. Dort bekommt man beispielsweise für 10 Euro Einkaufswert einen Sticker. Füllt man brav das Stickerheft, kriegt man irgendwann Rabatte auf Küchenartikel, Koffer, oder Spielzeug.
Oder das Gewinnspiel einer bekannten Fastfoodkette, welches auf einem ähnlichen bekannten Brettspiel basiert. Der Inbegriff von Gamification.
Das Spielen ist untrennbar mit der menschlichen Entwicklung verknüpft. [2] Jeder Mensch spielt gerne.
Anwendungsbereiche im Business
Wie viele andere Unternehmen, nutzen wir bei bluquist ein Ticketsystem. Und jedes mal wenn wir einen Task abgeschlossen haben und das Ticket auf “fertiggestellt” setzen konnten, bekamen wir eine Feuerwerkanimation als Belohnung.
Wir waren alle sehr enttäuscht, als dieses Feature entfernt wurde. Jeder im Team hat gegrinst, wenn wir das Feuerwerk sahen. Natürlich sind wir alle erwachsen und arbeiten auch ohne Feuerwerk, aber nett war es trotzdem.
Spielmechaniken liefern einen sofortigen Dopaminkick. Keinen großen, aber es reicht, damit wir uns gut fühlen. Spielelemente sind ein wirksames Mittel gegen Langeweile und Routine und dabei braucht es nicht viel.
Klar definierte Aufgaben und Ziele, die abgearbeitet werden müssen (In einem Videospiel werden sie Quests genannt). Die meisten Quests sind in kleinere Happen geteilt und mit jedem abgearbeiteten Happen erlangt man Erfahrung (Im Spiel oft EP, Experience Points genannt) und je mehr Erfahrung man hat, desto anspruchsvoller werden Aufgaben in der Zukunft (Im Spiel könnte man mit mehr EP beispielsweise bessere Ausrüstung freischalten, die einem dann wiederum hilft anspruchsvollere Gegner zu besiegen oder anspruchsvollere Pflanzen aufzuziehen, welche dann wieder Erfahrungspunkte bringen.)[2]
Gamification im Projektmanagement
Um den gewünschten Effekt zu erzielen, müssen drei wesentliche Faktoren zusammenkommen: Erstens ist eine ausreichende Motivation erforderlich, das heißt, die Person benötigt einen überzeugenden Grund, um eine Handlung auszuführen. Zweitens muss die Person sich fähig fühlen, die Aufgabe zu bewältigen, was sowohl das notwendige Können und Talent als auch genügend Zeit voraussetzt. Drittens ist ein wirksamer Auslöser notwendig, der die Person dazu bewegt, aktiv zu werden.
Die drei genannten Faktoren überschneiden sich zwischen Game und Projektmanagemant.
Ein weiterer wichtiger Faktor der Gamification: Autonomie. Menschen handeln gerne selbst bestimmt und es gefällt uns, wenn wir etwas gut können und stetig besser werden. Aufgaben sollten bedeutungsvoll sein und einen Sinn verfolgen. Das ist bei Spielen nicht anders. Ein häufiger Kritikpunkt hier ist, dass man auf unnötige Sidequests geschickt wird, die eigentlich nur das Spiel künstlich aufblähen, damit Entwickler eine höhere Mindestspielzeit angeben können, aber nicht wirklich zur Story beitragen.
Spielmechaniken sind bestens dafür geeignet genau diesen Kontext zu schaffen und sie erleichtern effektives Arbeiten.
Nutzen und Vorteile für Unternehmen
- Motivation steigern: Menschen reagieren positiv auf Feedback, Belohnung und Fortschritt, drei zentrale Prinzipien der Gamification.
- Employer Branding stärken: Modernes, kreatives Projektmanagement wirkt attraktiv auf BewerberInnen.
- Effizienz erhöhen: Gamifizierte Tools standardisieren und beschleunigen Prozesse.
- Engagement fördern: Mitarbeitende beschäftigen sich freiwillig und aktiv mit Projektinhalten.
- Datenbasierte Einblicke: Spielerisches Verhalten liefert verwertbare Rückschlüsse auf Persönlichkeit und Potenziale.
Zukunftsausblick
Gamification im Arbeitskontext wird sich weiterentwickeln, personalisierter, datengetriebener und immersiver. Künstliche Intelligenz ermöglicht adaptive Lernpfade, die sich dem Verhalten der User anpassen. Virtual und Augmented Reality schaffen realitätsnahe Trainingsumgebungen, die vollständig spielerisch gestaltet sind. Unternehmen, die Gamification strategisch nutzen, können damit nicht nur Prozesse verbessern, sondern auch ihre Kultur modernisieren.
Fazit
Gamification ist mehr als ein kurzfristiger Trend. Richtig eingesetzt, kann sie PM-Prozesse nicht nur effizienter, sondern auch attraktiver und nachhaltiger gestalten. Entscheidend ist jedoch eine durchdachte, zielgerichtete Umsetzung, nur so entfaltet sich das volle Potenzial spielerischer Motivation.
Quellen
- Spielend fürs Leben lernen. (o. D.). https://www.mpg.de/17887355/1122-evan-spielend-fuers-leben-lernen-150495-x
- Stampfl, N. (2017). Spieltrieb als Erfolgsfaktor: Der Einsatz von Gamification im Projektmanagement. University Library Hagen (UB Hagen). https://doi.org/10.18445/20170310-102441-0
Autorin
Tamara
Tamara ist Bachelor-Absolventin der Psychologie und Entwicklerin psychologischer Inhalte bei bluquist. Sie erstellt psychologische Inhalte und individuelle Assessments für Kunden.